Susanne Berkenkopf

„Ein Zuhause ist mehr, als vier Wände und ein Dach über dem Kopf." Dies ist ein Blog über Räume, über innere und äußere Räume. Denn ich bin überzeugt, dass jeder Raum in dem wir uns regelmäßig aufhalten, Einfluss auf unser Leben nimmt. Also gebe ich hier Anregungen, wie Wohnräume und Arbeitsplätze energetisch und ästhetisch optimiert werden können. Ich schreibe für Menschen, die in einer wohltuenden Umgebung leben wollen, die innere und äußere Freiräume schätzen, und an ihr Potenzial glauben. Ich schreibe für Menschen, die wie ich, jetzt und auf dieser Erde zum Wohle des Ganzen wirken wollen. Im „echten Leben" biete ich Wohncoaching, Grundrissanalyse und Lebensstilberatung. Meine Werkzeuge sind Imperial Feng Shui, Geomantie, chinesische Astrologie und systemische Beratung. Mehr unter www.feng-shui-und-beratung.de


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Feng Shui und das Badezimmer – Teil 2

Heute geht es darum, diesen „angstbesetzten“ Raum in ein Lieblingszimmer zu verwandeln.

Im klassischen Feng Shui erfährt das Badezimmer meistens Ablehnung. Mehr oder weniger direkt wird hier auf einen möglichen Verlust angespielt – fast, als würde mit jeder Betätigung der Wasserspülung oder dem abfließenden Wasser ein möglicher Wohlstand hinweg gespült.

Das ist zu einseitig gedacht! Feng Shui ist komplexer zu sehen.

Warum gilt im Feng Shui das Badezimmer als „Un-Ort“?

Im Feng Shui gelten Badezimmer mit ihren sanitäre Anlagen als problematisch, denn sauberes Wasser gilt als Träger der Lebensenergie Qi. Deshalb begründen vor allem zwei Aspekte das Unbehagen

  • Im Bad fließt das Wasser in den Abfluss – wir spülen Energie sozusagen runter.
  • Offene Türen (dazu gehören auch Klodeckel) und eine ungünstige Lage des Bades ziehen andere Räume in Mitleidenschaft.

Doch Denken in simplen Assoziationsketten ist selten förderlich, vor allem wenn die Gedankenschlaufen sich verselbständigen und als Mantra wiederholen: Badezimmer an der falschen Stelle im Haus – Geld futsch.

Andersrum können wir nämlich auch argumentieren: Fließendes, sauberes Wasser im Haus ist ein echter Luxus, worüber wir uns täglich freuen und bedanken dürfen. Es ist schließlich keine Selbstverständlichkeit und stellt in sich schon eine Form des Reichtums dar. Wer nach getaner Arbeit verschwitzt und schmutzig ist, wird durch nichts so sehr erfrischt und gereinigt wie durch das „Wasser des Lebens“. Diese Begegnung ist ganz gar persönlich, Segen und Hochgenuss in eins.

Ein weiteres Argument wäre: Wer gut isst und verwertet darf sich über gesunde Verdauung freuen. Im Grunde können wir froh sein, das, was der Körper als Abfall abgibt, auch los zu sein. Eine gesunde Verdauung hält uns schließlich gesund und obendrei bei guter Laune. (Dass Fäkalien und Wasser keine gute Verbindung sind ist klar, doch darauf will ich hier nicht hinaus.)

„Erkenne dich selbst“ – vom Schatz den jeder Mensch in sich trägt und was das Badezimmer kann, um das Beste aus Ihnen hervorzulocken

Im Bad ist der Mensch nackt und ungeschützt. Dies ist der Ort, sich auf ganz andere Weise dem leiblichen Wohl hinzugeben. Sich selbst berühren, sich pflegen und ganz und gar bei sich selbst sein. Einmal erkannt, liegt darin die Besonderheit.

Im Badezimmer könnte jeder Mensch sich belohnen für das, wer er ist und was er kann oder leistet. Hier kann die Lust, ein Selbst zu sein, gefeiert werden. Sinnliche Rituale können dazu führen, sich in der eigenen Haut zuhause zu fühlen. Hier steht nicht nur die Pflicht auf dem Programm, sondern hier gibt’s die Kür.

Ein schöner Ort macht es leichter, sich wohlwollend zu betrachten. Ich gönne mir ein schönes Bad, also ziehe ich innerlich den Schluss: ich bin wertvoll. Betrachte ich mich als wertvoll, wird die Umwelt folgen. Wenn ich wertvoll BIN brauche ich auch weniger Besitz, kann also abgeben. (Besitz verbirgt ja oft die irrige Annahme: viel haben = wertvoll sein – doch auch das wäre ein anderes Thema). Durch abgeben kann „alles“ in Fluss kommen und den Energiegesetzen folgen – lass fließen. Lass abfließen. – Stress von außen, Erwartungen, Bewertungen.

Vom Un-Ort zum Lieblingszimmer – worauf Sie im Bad achten sollten und was Sie gleich verändern können

Im Feng Shui verändern wir das Außen, um Energien zu erzeugen, die positiv auf das Innere wirken – und dann, entsprechend dem Prinzip der Resonanz, wieder auf das Äußere. Im Bad funktioniert das Wohlfühlen über die Sinne:

Geruch

Das erste was beim Betreten geschieht ist riechen – ein frischer Geruch impliziert automatisch Gesundheit und Lebensfreude, darum ist lüften hier so selbstverständlich wie atmen.

  • Doch für Frische kann man mehr tun: duftende Seife oder Aromastäbchen können ganz dezent aufs Unbewusste wirken.
  • Auch Farben können „duften“ – Augen schließen, sich „grün“ vorstellen und riechen, dann „gelb“ vor das innere Auge holen und nochmal schnuppern. Hat sich beim Farbwechsel etwas geändert? Gibt es einen Lieblingsfarbgeruch?

Optik

  • Frische Farben bringen Leben ins Bad und werden eingesetzt, um abfließendes Wasser (symbolisch für Reichtum) wieder „nach oben“ zu ziehen. Grün, die Farbe der Pflanzen, gilt sozusagen als Umwandler. Pflanzen vermögen schmutziges Wasser zu reinigen und die Essenz des Wassers wieder in die Räume zu ziehen. Wer nicht streichen kann oder will nähert sich auf „Umwegen“: Duschvorhang mit Bambusmotiv wählen,  Fotos von Grünpflanzen (bitte ohne Stacheln und keine Kakteen) aufhängen, grüne Seife oder Handtücher geben ebenfalls wirksame Impulse für die Holzenergie.
  • Auf konkrete Farbempfehlungen kann ich hier nicht eingehen, weil es dazu Informationen über die speziellen Gegebenheiten braucht – doch von Rot im Bad rate ich ab. Dadurch wird ein sogenannter Feuer-Wasser Clash ausgelöst und der kann die Gesundheit beeinträchtigen oder innere Spannung erzeugen.
  • Hier könnte auch die eigene grenzenlose Phantasie zum Zuge kommen: Wie wär’s mit einem Dschungelzimmer, mit Illusionsmalerien auf Wand oder Tür, um dem Raum Größe oder Tiefe zu geben, wie wäre es mit einer kühnen Farbzusammenstellung, etwa  violett mit kräftigem Grün?
  • Wichtig ist natürlich was man sieht: Für schmutzige Wäsche gibt es schöne (geschlossene) Körbe und der Klodeckel gehört ganz klar geschlossen 😉 .
  • Wer mehr Platz hat, möbliert mit Hocker oder Sessel, so wird der Raum noch einladender.
  • Schnittblumen beleben und bringen frisches Qi in den Raum. Wer kein Fenster hat – macht nicht’s. Abends hinein getragen und morgens wieder auf die Fensterbank gestellt, so bekommen die Blumen genug Licht. Abends dürfen sie das getankte Sonnenlicht dann wieder im fensterlosen Raum verströmen.

Haptik

Die Haut kann auch ohne Berührung fühlen, also sollte das Bad in erster Linie ein „Fühlraum“ sein. Statt nüchtern, kalt und funktional lieber einladend, geborgen und fein.

  • Den Raum auf die persönlich angenehme Temperatur bringen.
  • Auch an die sensiblen Fußsohlen denken: sie melden millisekundenschnell ans Gehirn, ob nun wohlfühlen angesagt ist oder ob ein Fluchtimpuls ausgelöst wird. Lädt der Fußboden ein zum barfuss laufen? Oder ist er zu kalt oder sogar – muss mal wieder gewischt werden? Melden die Füße ein Wohlgefühl ans Gehirn wirkt das zugleich auf Leib und Seele.
  • Anfühlen soll es sich im Bad einfach traumhaft: Egal wie man’s mag – ob flauschig oder borstig rau – bei Handtüchern sollte nicht gespart werden! Hier gilt: Sich gönnen was gefällt.

Wer nun ans Renovieren denkt und die Frühlingskraft nutzen will ist gut beraten, sich im eigenen Bad umzuschauen. Wer sich hier eine „dritte Haut“ zum Wohlfühlen schafft, braucht keine Angst haben vor Verlust – im Gegenteil, den eigenen Körper als Schatz entdecken und die im Bad ausgelebte Kreativität sind zwei dicke Gründe sich reich zu fühlen und zu feiern.

Den Anfang meiner Miniserie gibt’s hier: Feng Shui und das Badezimmer – Teil 1


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Venus und die Muschel auf dem Jakobsweg

Letzte Woche war ich mit meinem Feng Shui Meister in den Schweizer Bergen unterwegs. Allein und auf dem Rückweg wanderte ich eine Zeit lang auf der Via Jacobi, dem durch die Schweiz führenden Jakobsweg. Überall begegnete mir das Zeichen der Klappmuschel und erinnerte mich an einen Text, den ich vor kurzem las.

Pilgerweg Santiago de Compostela

„Der Wallfahrtsweg nach Santiago de Compostela ist eine der geheimnisvollsten Routen in Europa, denn offensichtlich ist hier ein Wegeverlauf erhalten geblieben, der möglicherweise bereits im Neolithikum entstanden ist …“, schreibt Erika Haindl in ihrem Buch ‚Die Heilkraft der Rituale‘. Als Merkmal der überstandenen Strapazen und des spirituellen Erlebens tragen die Pilger eine Klappmuschel. Haindl widmet sich unter anderem der Frage: Wieso eine Muschel?

Besagte Muschel taucht bereits als kultischer Gegenstand und als Grabbeigabe im historischen Europa auf. Generell haben Grabbeigaben die aus Perlen oder Muscheln bestehen eine rituelle Bedeutung, sie verweisen auf den Rhythmus von Geburt, Tod, Wiedergeburt und auf das „Wasser des Lebens“.

Eingeweihte Baumeister pilgern nach Compostela

Ursprünglich folgten die alten neolithischen Pilgerwege, die auch als Initiationswege gelten, den Sternen und führten von Ost nach West bis zum Atlantik. Legenden besagen, dass Noah nicht der eine Mann mit der Arche war, sondern Menschen bezeichnet, die (aus Atlantis kommend) nach der großen Sintflut wieder festes Land betraten und das enorme Wissen einer hoch entwickelten Kultur mit sich brachten. Dieses Wissen umfasste zum Beispiel die Baukunst, und die darin Eingeweihten erkannten sich durch das Symbol eines Gänsefußes. Die „vom Meer kommenden“ gelten heute als Vorläufer großer geheimer Bruderschaften, zu denen nur gehören kann, wer initiiert ist.

Dass die ursprünglichen Sternenwege an vielen Kraftplätzen vorbeiführten, gefiel der Kirche ganz und gar nicht. Deshalb wird mittlerweile vermutet, dass Mönchsorden den ursprünglichen Verlauf der Sternenwege veränderten – einfach um die Pilger daran zu hindern, an den wichtigen vorchristlichen Initiationsorten vorbei zu kommen.

Um nun wieder auf die Legende zurück zu kommen: „Maitre Jacques“ galt als Meister des Steins und früher wurden die Bauhandwerker „Jars“ genannt, also „Gänserich“. Nun gibt es eine Vermischung zwischen diesem Maitre Jacques und dem heiligen Jakobus, der der Legende nach in einer Barke vom Atlantik angespült wurde. Als man seine Leiche barg und ihn auf einen Stein legte, „schließt sich der Legende entsprechend der Stein um ihn wie zu einem Sarkophag. Damit erweist sich der Apostel als ein wundersamer Steinmetz-Meister.“

Die initiierten Baumeister und ihre Zugehörigkeit zur Bruderschaft konnte man also am Abzeichen, dem Gänsefuß, erkennen. Da dies jedoch ein „heidnisches“ Zeichen war wird vermutet, dass sich der Gänsefuß in die Muschel wandelte, da angeblich das Boot mit der Leiche des Heiligen Jakobus ganz mit Muscheln bedeckt war. Da der Pilgerweg nach Compostela vor allem für Baumeister und Bauhandwerker ein Initiationsweg blieb wurde die Muschel zum Zeichen der Pilger.

„Niemand konnte als Baumeister wirklich erst genommen werden an den großen Baustellen der Gotik, der nicht diesen Inititationsweg gegangen war. Dabei haben offensichtlich viele der Handwerker auch nach der Christianisierung noch immer das alte Zeichen des Gänsefußes verwendet … . So findet man an den Bauwerken des Pilgerweges nach Santiago den Gänsefuß und seine Abwandlungen heute sowohl in christlichen Kirchen, aber auch in Steinen, die möglicherweise Tausende von Jahren zuvor gezeichnet worden waren.“

Die Muschel der Venus

Das berühmteste Motiv von Venus und Muschel hat der Maler Sandro Botticelli geschaffen.

Botticelli_Geburt der Venus

Die Geburt der Venus erfolgte, so die Legende, nachdem Kronos seinem Vater Uranos die Geschlechtsteile abgeschnitten hatte und diese hinter sich ins Meer warf. Als Blut und Samen sich mit dem Meer vermischten schäumte dieses auf und gebar die Venus.  – Aus etwas Schrecklichem kann also durchaus etwas Schönes und Liebenswertes entstehen. –

„Die Geburt der Venus“ besteht aus vier großen Motiven. Von links blasen Windgeister, von einzelnen, dahin schwebenden Blumen umgeben, die Muschel, auf der die jugendschöne Göttin Venus steht, zum Strand. Rechts auf der festen Erde stehend, hält eine Frau der auf der Muschel herangleitenden nackten Venus einen wehenden, blütenbesetzten Mantel entgegen.

Links haben wir die Gefährdung durch den bewegenden Wind, rechts die Erdmutter. Diese ist ebenfalls in Bewegung, denn sie eilt herbei, mit einer Schutz symbolisierenden Geste und dem Mantel zur Umhüllung der nackten Gestalt auf der Muschel. … Die Muschel ist das Eigentliche und das beherrschende Motiv des Bildes. Venus ist mit ihrem Körper die Sichtbarmachung des Prinzips, das die Muschel vermittelt … In ihrer Offenheit signalisiert sie Ungeschützheit.“

Im Bild finden sich also symbolhaft alle Zeichen : die Muschel, das Wasser und die große Mutter Gaia, deren heiliger Vogel der Schwan ist.  Und wer weiß schon, ob Gänsefuß die rechte Deutung ist, schließlich könnte der Abdruck auch von einem Schwanenfuß stammen.

Alles in allem ein sehr breites Feld und wenn Sie bald nach Santiago de Compostela pilgern gibt es sicherlich Muße für ein paar eigene Deutungen. Für mich jedenfalls gilt: Ich will es wieder tun!