La Imperial Feng

Feng Shui · Geokultur · systemische Beratung


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Tag 12 – Was lebendig hält

Die Menschen kommen weich
und geschmeidig zur Welt;
tot sind sie steif und starr.
Die Pflanzen kommen zart und biegsam zur Welt;
tot sind sie spröde und dürr.

Demgemäß gilt:
Wer steif und starr ist,
ist ein Schüler des Todes.
Wer weich und nachgiebig ist,
ist ein Schüler des Lebens.

Das Starre und Steife wird zerbrechen.
Das Weiche und Geschmeidige
wird sich durchsetzen.

Tao Te King, Vers 76

Das Prinzip einer Feng Shui Beratung ist ähnlich, denn die Lehre wurzelt im Tao und das Tao gründet auf Veränderung. Geht es bei einer Beratung darum, zu ergründen wo Blockaden ihre Ursachen haben, um sie aufzulösen und etwas in Bewegung zu bringen, wird im Raum entweder energetisch stabilisiert oder gelockert. Anschließend kann es im Leben freier fließen und neue Türen öffnen sich. Auch wenn ein Mensch dringend persönliche Unterstützung von der Art braucht, wie sie nur ein Raum zu geben vermag, ist eine gezielte Veränderung innerhalb des Areals notwendig.

Meine Erfahrung zeigt, dass Menschen von dieser Interaktion mit dem umgebenden Raum profitieren, denn nicht immer passen Mensch und Ort gleich zusammen. Dann braucht es das Wissen, welche Schräubchen bewegt werden müssen, um den Sand aus dem Getriebe zu holen. Oder wie bei einer Pendeluhr. Ist sie aus dem Takt geraten braucht es genau den richtigen Stubs, sie wieder in Bewegung zu bringen.

Missverstanden wäre zu glauben, nach einer Beratung müsse alles immer so bleiben, denn das wäre der größte Widerspruch zum Prinzip der Veränderung. Ich spreche jetzt nicht von größeren Maßnahmen, wie Steinsetzungen, die als Akupunktur im Raum und dauerhafte Installation wirken. Doch natürlich darf ein Blumenstrauß auch mal einen anderen Platz bekommen, kann nach einer Weile mit farbigen Accessoires, Möbeln oder Pflanzen experimentiert werden.

Feng Shui ist wie eine Initialzündung, von der Mensch und Raum immer profitieren. Und sobald sich die sprichwörtlichen Türen geöffnet haben und gewünschte Lichtblicke das Leben bereichern – sei es mehr Stabilität im Chaos der Herausforderungen oder den Überblick über alles „Zuviel“ zurückgewinnen, sei es die berufliche Aufgabe zu finden die innerlich erfüllt, sei es finanzieller Erfolg oder eine Expansion des Business, sei es der neue Lebenspartner / die neue Lebenspartnerin die plötzlich ins Leben tritt, sei es ein Gesundungs- oder Versöhnungsritual – immer gibt es damit verbundene, ganz neue Handlungsfelder. Dann sind wir Menschen eingeladen, angemessenen Umgang mit dem Neuen zu finden, uns einzulassen und flexibel zu bleiben.

Veränderung hält lebendig und lebendig sein heißt weich und geschmeidig bleiben – wer das akzeptieren kann, macht sich selbst die größte Freude.

 

 


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Philosophie zur Wochenmitte – Feng Shui, Wu Wei und das Tao

Vater Himmel, Mutter Erde - Tao und Feng ShuiVater Himmel, Mutter Erde. „Die Vereinigung von Himmel und Erde gleicht der Vermischung der Feinstoffe von Mann und Frau.“*

Weiblich, Männlich, Yin und Yang. Alles was ist entspringt dem Tao, dem ewigen unveränderlichen Urprinzip.

Daoismus ist die Lehre vom Weg und es heißt: Wer ein erfülltes Leben leben möchte, sollte den Lauf der Welt beobachten und sein Handeln daran orientieren. Ohne zu bewerten und in „gut“ oder „schlecht“ einzuteilen. Denn an diesem Punkt des Lamentierens beginnt bereits die Kraftverschwendung.

Es eher nehmen wie ein Schmetterling, der alle Stadien seiner Existenz und Verwandlung ohne klagen hin- und annimmt. Er akzeptiert die Stationen auf seinem Weg als notwendig, um zuletzt als wundervolles Exemplar seiner Spezies zu fliegen, Nektar zu schlürfen, sich zu vermehren und Menschenkinder zu begeistern.

SchmetterlingSo geht Wu Wei, das Prinzip des Nichthandelns. Irrtümlicherweise wird es oft mit Untätigkeit gleichgesetzt. Doch Wu Wei bedeutet, nicht gegen die Gesetzmäßigkeit der Natur zu handeln und sich an der Bewegung des Kosmos zu orientieren. Oder, um beim Bild des Schmetterlings zu bleiben: erkennen ob man gerade Raupe, Puppe oder Schmetterling ist. Und während der Transformation immer nur das tun, was gerade dran ist. Nicht mehr und nicht weniger. Nur mit Präsenz und Aufmerksamkeit für das, was gerade ist, gelingt das Ganze. Wer diese Kunst beherrscht segelt mit dem Wind.

Wer sich mit dem Tao (wie auch mit Feng Shui) befasst, kommt am Fühlen und am Loslassen nicht vorbei. Nicht alles ist mit dem Verstand zu erfassen und schon gar nicht zu erklären – und wer weiß, vielleicht ist dies ja der Weg der Befreiung aus der festgefahrenen Situation unserer Zeit. Statt immer mehr wissen zu wollen und übereilt zu reagieren und blindlings zu handeln – beginnen wir doch wieder mal zu fühlen. Zum Beispiel in welchem Stadium der Verpuppung wir sind. Sind wir bereit, alte Häute hinter uns zu lassen? Dann kann die Wissenschaft gern anderer Meinung sein, doch der Mensch des Tao, der und die Weise verschwendet keine Kraft mit dem Versuch, gegen das anzugehen, was gerade IST.

Gefühle sind die Farben des Herzens. Schön, wenn diese Farben leicht und durchschimmernd sind wie ein luftiges Aquarell.

* Manfred Kubny, Die Erde ist eine Frau. In: Hagia Chora, Heft 31, 2008