Susanne Berkenkopf

Feng Shui • Beratung • Inspiration


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Wenn Qi die Treppe runterfällt, ist das sehr ungünstig

  • „Gehen Sie unbedingt durch den Keller ins Haus. Andernfalls fällt das Qi die Treppe runter, und das ist sehr ungünstig.“
  • „Sie haben mit Erkern gebaut? Also das finde ich unverantwortlich!“
  • „In jedem Raum muss die Partnerschaftsecke aktiviert werden, sonst finden Sie Ihren Traummann nie.“
  • „Oh, das Badezimmer ist im Südosten – na, da können Sie sich schon jetzt auf enormen Geldverlust einstellen.“
  • „Der Eingang im Nordosten – au weia!“

Danke für das schöne Foto © Jason Briscoe

Oh ja, so und ähnlich klingen Äußerungen, die unter der Überschrift Feng Shui gemacht werden. Klingt gräßlich, oder? Während ich das schreibe sitze ich kopfschüttelnd am Tisch. Was für ein Mist, denke ich, was für eine Ver .. schung! Ich bin echt sauer.

Darum muss ich das noch einmal sagen: Feng Shui ist eine Methode, um Menschen zu verstehen. Ihre Beweggründe, Absichten und inneren Wegweiser, die sich im Tun äußern, verstehen. Um dann mittels Gestaltung und Akupunktur im umgebenden Raum soweit möglich in die gewünschte Richtung zu lenken. Doch erst kommt das Verstehen, und das braucht Empathie.

Ich bin ganz ehrlich: ich hatte schon Beratungen, da hat mir das Schicksal der Menschen mit denen ich es zu tun hatte, Angst gemacht. Doch das waren meine Ängste und meine Projektionen, meine nicht bearbeiteten Schatten, die durch die Arbeit ins Bewußtsein kamen. Meine ersten Reaktionen waren – ich geb’s zu – Ablehnung, dann Überheblichkeit. Das hinter diesen emotionalen Reflexen meine eigenen Ängste warteten und das Bedürfnis, mich zu schützen, das habe ich erst verstanden, als ich mit der systemischen Aufstellungsarbeit begann.

Auch wenn China das Land der Kollektive ist und das Individuelle lange keinen Platz in der Gesellschaftsform hatte, die alten Feng Shui Meister und Meisterinnen schauten zuerst in das Geburtshoroskop, um heraus zu finden, welches mögliche Schicksal einen Menschen auf der Erde erwartet und welche Anlagen da sind, es zu meistern.

Mit diesem Wissen wird die gewählte Umgebung entsprechend hergerichtet, um die Bedinungen zu schaffen, damit der Mensch in seine Kraft kommt, in seiner Kraft bleibt und seine wahre Größe erreicht. Und, dass er / dass sie das auch annehmen kann.

Beispiel: Wenn ein(e) Selbständige(r) ein Büro bezieht in dem die Himmelsrichtung Nordwesten fehlt, ist das ein starkes (unbewußtes) Statement: Denn der Nordwesten repräsentiert Führungskraft, Strategie, Durchsetzungsvermögen, hilfreiche Menschen und Mentoren. Alles, was ein gut laufendes Business braucht.

Ein Blick in das Geburtshoroskop wird helfen, den Grund dafür zu verstehen. Erst auf dieser Basis kann echte Beratung geschehen, weil ganz ohne Dogmen („das ist gut oder schlecht“) ein Weg sichtbar wird, um die Balance herzustellen und etwas ins Leben zu integrieren, was unbewußt nicht möglich war.

Natürlich lassen sich durch Feng Shui verallgemeinernde Aussagen treffen über

  • das, was (in der Regel) in Sackgassen geschieht und was nicht
  • Lebensthemen die drängend werden, je nachdem ob man links oder rechts in einer Doppelhaushälfte lebt
  • mögliche Konsequenzen, wenn ein Haus in einer ungünstigen Farbe gestrichen ist
  • Auswirkungen des Wohnorts auf gesundheitliches Befinden, finanziellen Erfolg, Partnerschaft, individuelles Lebensglück, Gedeihen der Kinder
  • Ursachen, warum jemand selten zu Hause ist oder dort keine Ruhe findet.

Doch zuerst kommt der Mensch. Immer. Dann kommt die Umgebung. Dann kommt die Handlung. Und daraus webt sich Schicksal. Niemand sollte beurteilen, welche Erfahrung ein Mensch in diesem Leben machen will. Alles, was ein guter Berater, eine gute Beraterin tun kann, ist bewußt machen. Begleiten. Aufrichtig und authentisch mitteilen: Das sehe ich … Das sagt meine Erfahrung … Das kann folgende Ursachen haben … Das könnte eine mögliche Lösung darstellen …

Und jeder Mensch ist frei, sich selbst zu erkennen. Blockaden, Verstrickungen, Stärken, Ängste, Durststrecken … darf man alles haben. Keine Platitüde kann erklären, dass jemand keinen Partner findet, weil die Partnerschaftsecke im Wohnzimmer nicht „aktiviert“ wurde.

Sollte Ihnen also das nächste Mal ein Berater, eine Beraterin – ohne Sie zu kennen und am Telefon – mit ähnlichen Aussagen, wie oben geschildert, antworten, wäre eine Gegenfrage sicher angebracht: „Haben Sie sich eigentlich schon Ihren eigenen Ängsten gestellt? Wie wollen Sie aus der Ferne beurteilen, was gut für mich ist?!“
Denn: Bange machen gilt nicht, anderfalls ist es ein Geschäft mit der Angst.

 

 

 

 

 


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Feng Shui und das Geschäft mit der Angst

„Ist mein Haus gut für mich?“, ist eine durchaus berechtigte Frage. Wer neue Räumlichkeiten bezieht oder feststellt, dass es sich Zuhause nicht länger „gut anfühlt“ sollte sich mit der umgebenden Hülle auseinandersetzen. Auch wer mehr über das Prinzip von Resonanz und Analogie erfahren möchte – frei nach dem Motto: „Was hat mein Haus mit mir zu tun?“ –  kann sich auf heilsame Entdeckungen verlassen.

Doch manche Äußerung von Feng Shui Expert-inn-en treibt mir die Schamesröte ins Gesicht.

Manche Feng Shui Ratgeber: Zum Haare raufen!       Foto © geralt

Wem ist geholfen zu erfahren, dass „Krankheit auf der Tür“ lauert, dass im Schlafzimmer Missgeschicke zu erwarten sind oder dass die Kinder vermutlich kriminelle Neigungen entwickeln werden? Wer mag nach solchen Feststellungen überzeugt sein, dass ein rotes Sofakissen, eine unter der Decke aufgehängte Flöte oder ein Kristall im Fenster tatsächlich das Übel bei der Wurzel packt?

Nicht selten wenden sich Menschen an mich, die nach Auskunft einer solchen Feng Shui Expertise ganz verstört sind und nach einem Strohhalm suchen. Da wurde ihnen – am Telefon – orakelt, dass die Treppe in der Mitte des Grundrisses großes Unglück bedeute oder dass mit einem Badezimmer im Südosten schon mal gleich der Gerichtsvollzieher bestellt werden kann.

Auch der mittlerweile in meinen Ohren so weichgespült klingende Begriff des „Wohlfühlens“ und das Versprechen auf „eine glückliche Partnerschaft“ haben ursprünglich rein gar nichts mit Feng Shui zu tun! Mal klar gesagt: Chinesen sind kulturell und mental ganz anders drauf als wir Westler und die Wurzeln der Naturwissenschaft Feng Shui liegen mit den Ahnen begraben. Feng Shui und Macht – das wäre ein seit alters her vorzüglich passendes Begriffspaar.

China: Auf dem Weg zum Grab einer Hochwohlgeborenen

Aus dem Jenseits sollten die Ahnen zum guten Geschick ihrer Nachkommen beitragen, deshalb ortete man mittels geomantischer Methoden den besten Platz für ihre Ruhestätte. Erwünscht waren ein sicherer Posten bei der Regierung, gesunde Söhne als Stammhalter und gute Beziehungen, um in der obersten Gesellschaftsschicht mitspielen zu können.

Feng Shui war ein Werkzeug für die Einflussreichen und Mächtigen. Tatsächlich ist der chinesische Kaiserhof nach den Prinzipien des Feng Shui und für den Machterhalt der längst  überholten Herrschaftsform Autokratie ausgerichtet. Der Feng Shui Meister bei dem ich lernte steht als direkter Nachkomme noch in dieser Tradition.

Über individuelle Talente und zu erwartende Schicksalsdominanten informierte das Horoskop und die passenden Partner für eine förderliche Eheschließung wurden – wie im Feudalsystem üblich – von einer Ehevermittlerin präsentiert. Entscheidend waren weder Zuneigung noch Sympathie, wichtigste Kriterien bei der Wahl waren Erhalt und Mehrung von Vermögen und Einfluss. Die Wünsche der zukünftigen Brautleute wurden im allgemeinen nicht berücksichtigt, allein die Eltern entschieden über die Auswahl des Partners / der Partnerin.

Also nix mit Romantik und lieblichem Wohlfühl-Gesäusel. Dann schon eher Macht ausüben. Die Angst eignet sich dabei als hervorragender Partner. Unsere Versicherungsindustrie liefert ein anschauliches Beispiel, sind Angstmacher doch meist gut im Geschäft, üben Kontrolle aus und scheinen unverzichtbar. Doch eine Versicherung gegen das Leben gibt es nicht.

Und meine Pointe?

Ich nutze Feng Shui als eine 1a Methode, um durch das Wohnumfeld klare Ansagen zu geben, welche Lebensthemen anstehen. Vom Äußeren auf das Innere schließen ist dabei zulässig und äußerst zuverlässig. Doch um die Frage „Ist mein Haus gut für mich?“ adäquat beantworten zu können braucht es mehr, als die Info über eine verbaute Mitte oder das Bad im Südosten. Wer ein solches Haus kauft oder mietet mag gute Gründe dafür haben und es gilt, denen auf die Spur zu kommen. Auch die Frage „Was verstehen Sie unter gut?“, verdient eine individuelle, ausführliche  Antwort.

Denn Wohlfühlen und Potenziale leben sind zuweilen Teil eines äußerst subtilen Kontextes. Darum liegt mein Wirkungsfeld weit jenseits des Klischees „Wir machen ein bisschen Feng Shui und alles wird gut.“

Wer sein Haus auf die Füße stellen will, damit das Leben darin ein stabiles Fundament bekommt, ist bei mir genau richtig. Gemeinsam gestalten wir ihr Zuhause zu einem Basislager. Dazu braucht es weder Flöten und ehrlich gesagt ist auch die Wandfarbe selten allein entscheidend. Was wirklich zählt ist der Fokus der Aufmerksamkeit. Ihn um ein paar Grad zu verschieben, um sich auch in der Not an einem Ort geborgen und getragen zu wissen, darin wohnt das Wunder.

Und dann öffne ich meinen Methodenkoffer noch ein Stück weiter und ganz im Vertrauen wenden wir uns nach innen oder außen, räuchern, fügen Einzelteile zu einem Ganzen, finden heilende Wörter und Symbole, rufen den guten Geist des Hauses, vergraben den zeremoniell gefüllten Grundstein, huldigen der gute Seele. Wir zaubern und lassen uns verzaubern. Bleiben im Vertrauen und halten den Fokus um das zu tun, was genau jetzt getan werden will – fern ab von Regeln und Routine, von Allgemeinplätzen und Angstmacherei.

Dann kann es geschehen, dass der Knoten platzt und sich die unbewußte Angst vor dem, was sehnlichst gewünscht wird, auflöst. Doch das setzt innere Bereitschaft und ein klares Bekenntnis voraus. Und manchmal ist das Anschauen familiärer Verstrickungen nötig, weil daraus hindernde Glaubenssätze und ein fehlendes, liebevolles Gefühl für sich selbst resultieren können. Aus eigener, schmerzhafter Erfahrung kann ich sagen, dass einer manchmal erst das Herz brechen muss, bevor es sich für all die Fülle und Liebe öffnen kann, die längst vor der Tür warten. Doch ohne Vertrauen, das dazu inspiriert, neue, bereichernde Erfahrungen zuzulassen können noch soviele Windspiele erklingen – und bleiben doch wirkungslos.

Schließlich ist Angst bisweilen ein guter Ratgeber. Als ständiger Begleiter dagegen völlig ungeeignet. Also, lassen Sie sich nicht bange machen oder verunsichern. Statt in Angst zu verharren ist ein konstruktiver Dialog mit Ihrer zweiten Haut immer ein gangbarer Weg. Mein Motto: Jedes Problem enthält im Kern die Lösung. Und auf diesen Wegen bin ich eine erfahrene, kompetente Begleiterin. Versprochen!

Ein Ziel, zwei Wege. Allein die Aussicht ist nicht dieselbe.