Susanne Berkenkopf


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Der Beginn der Raunächte

Wir fügen Speichen in einem Rad zusammen
aber es ist das Loch in der Mitte,
das die Bewegung des Wagens bewirkt.
Wir formen Ton zu einem Topf,
aber es ist die Leere darin,
die das Gewünschte enthält.
Wir zimmern Holz für ein Haus
aber es ist der Innenraum,
der es bewohnbar macht.
Wir arbeiten mit dem Seienden
doch Nichtseiendes macht den Nutzen aus.
Laotse

Raunächte 2017

Foto © Apollontempel

Frühestens am Abend des 20. und spätestens am 24. Dezember treten wir ein in die zeitlose Zeit. Zwölf Tage und Nächte, in denen wir heraustreten können aus der mechanischen, linear verlaufenden Uhr-Zeit, um unsere Wahrnehmung auf den gefühlt-richtigen Zeitpunkt zu lenken, wieder hinein in die natürlichen Rhythmen.

Vielleicht ist es das, was Frau Holle uns lehren wollte: Zur richtigen Zeit das Richtige tun – das Brot aus dem Ofen holen wenn es fertig gebacken ist, den Baum schütteln, wenn die Früchte reif sind. Ohne auf die Uhr zu schauen, allein weil unser Gespür für den rechten Augenblick stark ist und stimmig.

„In der Ewigkeit ist fürwahr etwas Wahres und Erhabenes.
Aber all diese Zeiten, Orte und Gelegenheiten sind jetzt und hier.
Gott selbst kulminiert im gegenwärtigen Augenblick
und wird nicht göttlicher sein im Verlaufe aller Äonen.“
Henry D. Thoreau

„In den alten Zeiten – als das Wünschen noch geholfen hat, wie es im Märchen heißt – verwandten die Menschen viel Aufmerksamkeit darauf, ihre Beziehung zur Natur, zu den unsichtbaren Welten und den darin verborgenen Kräften zu pflegen.

Heute sind wir meist viel zu beschäftigt, um uns dem Unsichtbaren zu widmen. Die Verbindung mit dem, was wir nicht fassen können, ist schwächer geworden oder ganz abgerissen. Die Zeit zwischen den Jahren, in der die Schleier zwischen den Welten dünn sind und das Lebenstempo sich verlangsamt, ist eine wunderbare Gelegenheit, innezuhalten und wieder ein Gespür für die Verbindung mit den tieferen und höhreren Wirklichkeiten in uns und um uns herum zu entwickeln.

Wir können uns daran erinnern, dass eine tiefe Aufgabe unseres Lebens darin besteht, das Licht in uns zum Leuchten zu bringen und das innere Feuer zu nähren. Wir können unsere Liebes- und Begeisterungsfähigkeit, unsere Lebendigkeit und Lebensfreude stärken und uns bewusst machen, dass unser Leben sinnvoll ist, auch wenn uns dieses Gefühl zwischendurch abhanden gekommen sein mag.

Seit Urzeiten ist die Wiedergeburt des Lichts aus tiefer Dunkelheit zu Mittwinter immer wieder gelungen. Die Tage und Nächte zwischen den Jahren laden uns ein, uns dieser großen Bewegung anzuvertrauen und sie auch in uns zu vollziehen.“

Zur Lektüre für die Raunächte empfehle ich das Buch, aus dem dieses Zitat stammt
Das Mysterium der Raunächte von Nayoma de Haen

Wer innehält – erhält inneren Halt –
und bleibt sich selbst erhalten.
Laotse

Die Sonne liebt die Erde - jeden Morgen kehrt sie zurück

Möge das Licht in die Herzen der Menschen einziehen und auch die Schatten erleuchten.


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Auf die Schnelle seine förderlichen Richtungen bestimmen

Im Feng Shui Werkzeugkasten gibt es eine einfache Methode, seine förderlichen Richtungen zu bestimmen. Man richtet sich nach dem Geburtsjahr* und findet heraus, welche Qualitäten und Möglichkeiten ein Raum bereit hält.  Jede Zahl korrespondiert mit vier Himmelsrichtungen denen Heilung, Langlebigkeit, Inspiration und Wohlbefinden innewohnen.

Kua Zahlen

Die Kua Zahlen

Die ermittelte Zahl gibt Aufschluss, ob jemand zur Westgruppe oder zur Ostgruppe gehört.

Westgruppe – 2 – 6 – 7 – 8
Förderliche Richtungen Südwesten, Nordwesten, Westen, Nordosten

Ostgruppe – 1 – 3- 4- 9
Förderliche Richtungen Norden, Osten, Südosten, Süden

Dieses System kann man immer anwenden, wenn nicht viel Handlungsspielraum besteht. Also zum Beispiel, wenn in einem Büro die Arbeitsplätze ausgesucht werden können oder man zwischen zwei Arbeitsplätzen wählen soll.

Nicht geeignet ist es für Paare, die ein gemeinsames Schlafzimmer einrichten wollen. Für den Fall, dass einer zur Ost- und einer zur Westgruppe gehört gibt es feinere Methoden, die dafür sorgen, dass beide zufrieden sind und gut schlafen.

Frühstück im Bett

Gut geschlafen und dann ein herrliches Frühstück im Bett.

Wer Schlafprobleme hat tut gut daran, die Ursachen zu ergründen, denn erholsamer Schlaf ist die Basis für ein freudvolles Leben. Sprechen Sie mich gerne an, wenn Sie dazu Rat oder Hilfestellung brauchen.

*Apropos Geburtsjahr und wichtig für alle, die um den Jahreswechsel geboren sind:
Für die Taoisten beginnt das neue Jahr immer mit der Wintersonnenwende, also um den 21./22. Dezember. Dies führt manches Mal zu großen Überraschungen, wenn jemand sein chinesisches Jahrestier zu kennen glaubte.
Auch sollte dieses Datum nicht mit dem Chinesischen Neujahrsfest verwechselt werden, das in China nach dem zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende beginnt, und darum an wechselnden Tagen zwischen dem 21. Januar und dem 19. Februar zelebriert wird. Am 8. Februar 2016 wird dann also das nächste Frühlingsfest (ein anderer Name für das Neujahrsfest) gefeiert.


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Feng Shui und der Tod

Im Moment ist er sehr präsent. In den Nachrichten, im Internet, in den Zeitungen. Aktuell titelt eine Wochenzeitung: „Die beste Zeit meines Lebens“ und im Artikel werden die Aussagen Sterbender protokolliert. Dabei gehört er zum Leben wie das Atmen. Doch am liebsten denken wir gar nicht an ihn.

Sonnenuntergang

Vor dem Sterben kommt das Leben

Da gibt es diesen Spruch: Glück ist, zu leben bevor man stirbt.  Doch was heißt das? Körperfunktionen normal, essen, schlafen, arbeiten, lachen, weinen, denken, fühlen – das tun wir doch alle. Sind wir deshalb lebendig? Oder ist es so wie manche behaupten, dass erst im Angesicht des Todes klar wird, was Leben heißt? Dass nur Verlust oder nicht gelebte Wünsche daran erinnern, was man hatte oder versäumte – und es erst dadurch schätzen kann?

Gestern habe ich einen interessanten Artikel dazu gefunden. Zwar öffnet die Autorin das Thema durch die berühmte Frage: „Was würdest du tun, wenn Geld in deinem Leben keine Rolle spielt?“ ( http://www.becomingminimalist.com/packing-lightly/ ),  doch die Frage ist wandelbar. „Was würdest du tun, wenn heute dein letzter Tag auf Erden wäre?“ Ist auch nicht wirklich neu, aber vielleicht erscheint die Frage – die jede/r nur für sich beantworten kann – nun in einem anderen Licht, wo uns gerade soviele Menschen ans Sterben erinnern.

Wo hat im Feng Shui der Tod seinen Platz ?

Darüber denke ich schon eine ganze Weile nach. Philosophisch gesehen gehört Feng Shui zum Daoismus. Der Daoismus kennt unsere strikte Art zu werten nicht und darum ist der Tod ist auch kein wirklicher Grund zum Trauern. Tot sein ist einfach ein anderer Seinszustand. Genau wie heiß und kalt, dunkel und hell, schön und häßlich. Nur das Urteilen verhindert, etwas ganz und gar anzunehmen, wie es ist. Das Urteil, das wir fällen, der Wert, den wir etwas geben, die Einteilung in gut oder schlecht. Wie es sich wirklich anfühlt, tot zu sein und ob der Tod vielleicht sogar als ein großes Glück daher spaziert kam, dass weiß ja niemand. – Wer sich mit dieser Frage intensiver beschäftigen mag, dem empfehle ich das folgende Buch zu lesen  Die Hütte: Ein Wochenende mit Gott von William P. Young. – und möchte ausdrücklich betonen, dass niemand aus Gründen wie Gier, Krieg oder Sonstigem vor seiner Zeit sterben sollte!

Doch zurück zum Feng Shui. Im Wasser nimmt alles Leben seinen Anfang und Wasser ist richtungsmäßig mit dem Norden verbunden. Im tiefsten Winter zeigt uns die Natur, dass unter dichten Schneedecken schon das Leben keimt, und immer ist die Freude groß, wenn die ersten Krokusse ihre bunten Köpfe in der weißen Landschaft zeigen.

Excalibur und das Element MetallVor dem Norden, dem Beginn des Lebensweges, liegt der Nordwesten. Er ist dem Element Metall zugeordnet und Metall steht für geistige Präsenz, für Klarheit und das Wesentliche. Die Essenz. Der Nordwesten braucht nichts Überflüssiges, kein Klimbim oder Verschnörkeltes, geradeaus ist seine Richtung. Aufrecht wie das Schwert Excalibur, das präzise zu trennen weiß.  Menschen, die dem Element Metall zugetan sind, lieben klare Worte, die manchmal schneidend klingen mögen, sie kommen gern auf den Punkt und wissen schnell, wo „der Hase im Pfeffer liegt“. Metall ist das leitfähigste aller Elemente, darum verfügen „Metall-Menschen“ in der Regel über eine ausgeprägte Intution und sie tun gut daran, dieser nachzugeben. ( Ob Du zum Element Metall gehörst oder welches Potenzial Metall in deinem Horoskop bildet, kann die Chinesische Astrologie beantworten. Mehr dazu findest Du hier Mein persönliches Horoskop )

Das Potenzial des Endes liegt im Nordwesten

Doch zurück zum Raum und zum Sterben. Es muss ja nicht gleich „Tod“ sein, auch eine unangenehme, nicht länger förderliche Gewohnheit oder Beziehung kann man sterben lassen. Vor jedem Neuanfang kommt das Ende, dass wissen wir alle aus unseren Lebensgeschichten. Wer sich also einen echten neuen Anfang wünscht, bringt zuerst den Nordwesten in Ordnung. Scheu Dich nicht, Dich mit dem zu konfrontieren, was dort angeschaut werden möchte. Manches heilt ja allein dadurch, dass es gesehen wird. Nur anschauen. Nicht werten. Es ist, wie es ist. Punkt.

Analysiere dann den Nordwesten deines Grundrisses. Was siehst Du? Liegt dort vielleicht

die Haustür – Würden andere Dich „kopfgesteuert“ nennen?
die Abstellkammer – Nutzt Du alle Potenziale? Was zeigst Du nicht von Dir?
das Bad – Hast Du genug Kraft, Deine Vorhaben umzusetzen oder fühlst Du Dich schnell „ausgelaugt“?
das Schlafzimmer – Hast Du Deinen Schlafbereich spartanisch-funktionell eingerichtet oder eher kuschelig? Ist Intimität ein Thema für Dich?

Anschauen. Erkennen, was Deine Räume Dir sagen wollen und welches Lebensthema sich wohl dahinter verbirgt. Nicht ohne Grund lebst Du dort, wo Du jetzt wohnst. Sei wie ein Detektiv und komm Dir selbst auf die Spur. Sobald das Thema erkannt ist, kann es heilen und Du kannst – wenn Du möchtest – weiter ziehen.

Vor dem Sterben kommt das Leben. Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen ! Und doch gehört das Sterben zum Leben und manchmal muss etwas sterben, bevor das „echte Leben“ beginnt. Doch das ist ein anderes Thema und liegt zudem in einer ganz anderen Richtung.

Die Fülle des Lebens im Füllhorn

 

 

 

 

 


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Sechs Flüche und andere Missgeschicke

Feng Shui Grundriss

„Nun haben Sie gar nicht gesagt, wo bei uns die Flüche sind, wo Missgeschicke lauern und vor welchen Krankheiten wir uns hüten sollen.“ Ratlos schaut die Kundin nach dem Beratungsgespräch zwischen mir und Ihrem Mann hin und her. Auf meinen fragenden Blick erläutert Sie: „Ich habe mit jemand gesprochen die auch eine Feng Shui Beratung hatte. Der wurde gesagt, dass auf der Tür ein Fluch liegt und dass im Haus ein erhöhtes Unfallrisiko herrscht.“

Ich schlucke. Von solcherart „Beratung“ halte ich ehrlich gesagt nicht viel.

Glaubt man den Werbebotschaften sind wir von unzähligen Gefahren umgeben, gegen die wir uns versichern müssen. Schaut man die Nachrichten kann man danach nicht mehr ruhig schlafen, überall scheinen Krieg, Terroristen und Naturkatastrophen zu lauern. Liest man in einem klassichen Feng Shui Buch stößt man irgendwann auf Fünf Geister, Sechs Flüche, Unfälle und Lebensende.

Doch Angst war noch nie ein guter Ratgeber und Worte sind mächtig. Wenn ich Dir sage, auf Deiner Tür lauert ein Fluch – wie gern kommst Du dann noch nach Hause? Wenn ich Dir sage, dort ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Unfall passiert und Du fällst beim Fenster putzen von der Leiter – was war dann zuerst da? Der Unfall oder der Gedanke an den möglichen Unfall? Sage ich zu Dir: „Pass auf, dass du nicht runter fällst!“ oder sage ich: „Halt dich gut fest.“ Was bewirkt was?

Natürlich sind meine Klienten erwachsen und ich kann ihnen „die Wahrheit“ zumuten. Doch was ist die Wahrheit?
Fünf Geister können auch erhöhte spirituelle Wahrnehmung bedeuten, sechs Flüche kann auf wiederkehrende Streitigkeiten hinweisen und ein Signal sein, das eigene Muster in Auseinandersetzungen zu beobachten, Unfälle und Missgeschicke können zu Sorgfalt und Achtsamkeit auffordern und Lebensende kann das Beenden einer unliebsamen Gewohnheit in sich tragen.

Bereit für Entspannung?

Ja, es gibt in der Lehre des Feng Shui Hinweise auf ernsthafte Schwierigkeiten, auf die Menschen stoßen können, wenn sie in dem Haus oder der Wohnung wohnen. Ja, man kann am und im Haus viele Themen ablesen, mit denen Menschen es zu tun bekommen, die dort einziehen. Ja, es kann besser sein, ein Grundstück nicht zu kaufen, weil bestimmte Entwicklungsmöglichkeiten fehlen, die jemand als oberste Priorität auf seiner Wunschliste benennt. Es kann viel Geld und Ärger sparen, vor Baubeginn eine Feng Shui Beratung zu beauftragen. Und ja, es gibt für viele „Missgeschicke“ genau die richtige Lösung, um etwas in Gang zu bringen oder „mit heiler Haut“ davon zu kommen.

Und doch, nichts geschieht ohne Grund. Niemand lebt (oder arbeitet) irgendwo, ohne einen Bezug zu dem Ort, eine Aufgabe zu lösen oder einen Entwicklungsschritt zu tun zu haben. Eine Feng Shui Beratung kann Umwege und Nerven sparen, kann wirksam Blockaden lösen und Hinweise auf tiefe(re) Lebens-Themen geben. Doch nach meiner Auffassung ist niemandem geraten, wenn Ängste geschürt und ein neues Korsett alte Glaubenssätze ersetzt: „Bloss keine rote Kaffemaschine!

Feng Shui ist kein statisches System und das Hauptanliegen ist, im (natürlichen) Fluss zu bleiben. Die Mutter des Feng Shui ist der Daoismus, und der basiert auf Naturbeobachtungen. In der Natur ist alles einem stetigen Wandel unterworfen, nichts bleibt wie es ist. Alles geschieht zyklisch – Werden, Vergehen, Geboren werden, Sterben. Ein Blick auf die Jahreszeiten verdeutlicht dies. Frühling, Sommer, Herbst und Winter und ein feines „dazwischen“, welches den Übergang ankündigt.

Diesen Rhythmen und Zyklen folgt auch die Lehre des Feng Shui. Wenn jemand beginnt, die Empfehlungen umzusetzen wird spürbar, wie sich etwas bewegt, wie Dinge oder Festgefahrenes in Gang kommen. Das ist der Prozess. Während dieses Prozesses werden neue Einflüsse zu wirken beginnen – das ist das Leben.

 

Feng Shui Strandhaus

Meine Empfehlungen orientieren sich hauptsächlich an dem, was jetzt ist. Sie berücksichtigen die Gegebenheiten und orientieren sich an den Entwicklungswünschen meiner Klienten. Wie sich die Entwicklungen im Einzelnen manifestieren ist immer auch Teil des „höheren Plans“, dem alles Lebendige unterworfen ist, und hängt mit dem individuellen Weg jedes Menschen zusammen.

Ich bin der festen Auffassung dass niemand geholfen ist, der sich in seinem Handeln von Angst leiten lässt. Und in den meisten Fällen gibt es auch eine Lösung für den „Fluch auf der Tür“, im besten Fall liefert er eine Erklärung für das, was klemmt. Wird er gesehen ist das schon eine Form der Würdigung und Anerkennung. Einfach wegmachen, wie moderne Medizin oder Putzmittelindustrie uns glauben machen wollen? Lieber verstehen, integrieren und dadurch auflösen. Fühlt sich an wie der bessere Weg und ist ein unverzichtbarer Baustein des guten Gelingens.

 

 

 

 

 


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Philosophie zur Wochenmitte – Feng Shui, Wu Wei und das Tao

Vater Himmel, Mutter Erde - Tao und Feng ShuiVater Himmel, Mutter Erde. „Die Vereinigung von Himmel und Erde gleicht der Vermischung der Feinstoffe von Mann und Frau.“*

Weiblich, Männlich, Yin und Yang. Alles was ist entspringt dem Tao, dem ewigen unveränderlichen Urprinzip.

Daoismus ist die Lehre vom Weg und es heißt: Wer ein erfülltes Leben leben möchte, sollte den Lauf der Welt beobachten und sein Handeln daran orientieren. Ohne zu bewerten und in „gut“ oder „schlecht“ einzuteilen. Denn an diesem Punkt des Lamentierens beginnt bereits die Kraftverschwendung.

Es eher nehmen wie ein Schmetterling, der alle Stadien seiner Existenz und Verwandlung ohne klagen hin- und annimmt. Er akzeptiert die Stationen auf seinem Weg als notwendig, um zuletzt als wundervolles Exemplar seiner Spezies zu fliegen, Nektar zu schlürfen, sich zu vermehren und Menschenkinder zu begeistern.

SchmetterlingSo geht Wu Wei, das Prinzip des Nichthandelns. Irrtümlicherweise wird es oft mit Untätigkeit gleichgesetzt. Doch Wu Wei bedeutet, nicht gegen die Gesetzmäßigkeit der Natur zu handeln und sich an der Bewegung des Kosmos zu orientieren. Oder, um beim Bild des Schmetterlings zu bleiben: erkennen ob man gerade Raupe, Puppe oder Schmetterling ist. Und während der Transformation immer nur das tun, was gerade dran ist. Nicht mehr und nicht weniger. Nur mit Präsenz und Aufmerksamkeit für das, was gerade ist, gelingt das Ganze. Wer diese Kunst beherrscht segelt mit dem Wind.

Wer sich mit dem Tao (wie auch mit Feng Shui) befasst, kommt am Fühlen und am Loslassen nicht vorbei. Nicht alles ist mit dem Verstand zu erfassen und schon gar nicht zu erklären – und wer weiß, vielleicht ist dies ja der Weg der Befreiung aus der festgefahrenen Situation unserer Zeit. Statt immer mehr wissen zu wollen und übereilt zu reagieren und blindlings zu handeln – beginnen wir doch wieder mal zu fühlen. Zum Beispiel in welchem Stadium der Verpuppung wir sind. Sind wir bereit, alte Häute hinter uns zu lassen? Dann kann die Wissenschaft gern anderer Meinung sein, doch der Mensch des Tao, der und die Weise verschwendet keine Kraft mit dem Versuch, gegen das anzugehen, was gerade IST.

Gefühle sind die Farben des Herzens. Schön, wenn diese Farben leicht und durchschimmernd sind wie ein luftiges Aquarell.

* Manfred Kubny, Die Erde ist eine Frau. In: Hagia Chora, Heft 31, 2008