Susanne Berkenkopf

„Ein Zuhause ist mehr, als vier Wände und ein Dach über dem Kopf." Dies ist ein Blog über Räume, über innere und äußere Räume. Denn ich bin überzeugt, dass jeder Raum in dem wir uns regelmäßig aufhalten, Einfluss auf unser Leben nimmt. Also gebe ich hier Anregungen, wie Wohnräume und Arbeitsplätze energetisch und ästhetisch optimiert werden können. Ich schreibe für Menschen, die in einer wohltuenden Umgebung leben wollen, die innere und äußere Freiräume schätzen, und an ihr Potenzial glauben. Ich schreibe für Menschen, die wie ich, jetzt und auf dieser Erde zum Wohle des Ganzen wirken wollen. Im „echten Leben" biete ich Wohncoaching, Grundrissanalyse und Lebensstilberatung. Meine Werkzeuge sind Imperial Feng Shui, Geomantie, chinesische Astrologie und systemische Beratung. Mehr unter www.feng-shui-und-beratung.de

5. Türchen – Wohnbiographie und Identität

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Einen Lebenslauf haben wir alle schon geschrieben und damit wesentliche Stationen unseres Werdegangs (was für ein Begriff!) erfaßt. Weniger bekannt ist der starke Einfluss, den biografische Umwelten (sprich der Ort, an dem wir aufgewachsen sind, sowohl drinnen wie draußen) auf unsere Entwicklung und unser späteres Erleben haben. Vor allem die Phase bis zur Einschulung wird als prägend angesehen, in welchen Umgebungen wir uns später wohlfühlen und in welchen eben nicht.

 

Lieber zurückgenommen oder laut, was sagt Ihr spontanes Empfinden? Foto links © Micah Carlson; rechts © Matt Flores

Wir alle durchlaufen „Prägungsprozesse, die uns als Kinder gar nicht bewusst geworden sind“, sagt der Archtitekturpsychologe Peter Richter. Und seine Kollegin, Claire Cooper Marcus, ergänzt: „Unsere psychologische Entwicklung wird nicht allein markiert von bedeutsamen emotionalen Beziehungen zu Menschen, sondern auch von engen Bindungen zu bemerkenswerten Umgebungen.“ Ob Kinderzimmer, Küche der Großeltern, Wohnzimmer bei den Eltern, die Höhle im Wald, alle hinterlassen Abdrücke in unserem Unbewussten, lenken unsere Wahrnehmung von Räumen und beeinflussen unser Gefühl für „Zuhause“.

Auch Paartherapeuten widmen sich mittlerweile der Wohnsituation ihrer Klienten. Vor allem, wenn mangels passendem (bezahlbarem) Wohnraum eine Situation entsteht, die gar nicht zu den Bedürfnissen der Bewohner-innen passt. Der Grundriss eines Hauses prägt das Leben darin. Er bestimmt, wie viel Platz für Gemeinsames ist und wie viel für das Alleinsein. „Der richtige Grundriss kann das Leben so viel angenehmer machen“, hat der Paartherapeut Ferdinand Krieg festgestellt.

Mitbestimmend dafür sind scheinbar banale Parameter. Zum Beispiel: Gibt es genug Platz für Stauraum, um es ordentlich zu halten oder ist Unordnung schon vorprogrammiert, weil Schränke fehlen? Gibt es Möglichkeit, sich in der gemeinsamen Wohnung auch mal zurückzuziehen? Denn für sich sein können ist ein wichtiges Merkmal, damit man sich Zuhause fühlt. „Jeder braucht seinen Rückzugsbereich, seinen Platz. Dominante Menschen nehmen dabei mehr Platz in Anspruch – manchmal sogar den Platz des anderen,“ ergänzt Ferdinand Krieg.

Geborgenheit ist ein wichtiges menschliches Bedürfnis und „Bauen für Geborgenheit ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eher die Ausnahme,“ schreibt der Architekturpsychologe Herbert Reichl. „Moderne Gestaltungstrends sind: klare Linien, Transparenz, Offenheit und wenig Farben. Hier wird ein Widerspruch von ästhetischen Vorstellungen und dem Bedürfnis nach Geborgenheit deutlich.“ Die folgende Eigenschaften begünstigen aus Sicht der Raumpsychologie ein Gefühl von Geborgenheit:

  • Schutz vor Lärm
  • Warme Farben
  • Wenig Monotonie
  • Harmonische Raumformen
  • Schutz vor Einblicken
  • Grün vorm Fenster

Die Jahreszeit lädt nun förmlich dazu ein, einige Stichpunkte zur eigenen Wohnbiographie zu notieren und gedanklich nochmal zurück zu gehen. Vor allem wenn Sie planen zu bauen, umzuziehen oder mit jemand zusammenzuziehen. Wie steht es mit Ihrem Platzbedürfnis? Welche Toleranzschwelle in punkto Ordnung / Unordnung haben Sie? Wie sieht Ihr idealer Raum für Gemeinsamkeit aus und was darf auf keinen Fall fehlen? Jeder hat seine Vorgeschichte, seine Identität und einen Hausstand. Ziehen Sie zu Ihrem Partner / Ihrer Partnerin in eine Wohnung, in der er oder sie sich schon verwirklicht hat, ist das eine echte Herausforderung für beide – denn bin ich dazu ziehende/r Gast, bin ich als Mitbewohner-in geduldet oder tatsächlich Partner-in auf Augenhöhe?

Leben Sie schon mit jemand und gibt es regelmäßig Auseinandersetzung um bestimmte Themen wie aufräumen, sauber machen, Dekoration, Neuanschaffungen? Wenn es für die Erwachsenen kein eigenes Zimmer gibt, können Sie akzeptieren wenn Ihr Partner / Ihre Partnerin etwas gestaltet, dass Sie nicht leiden können? Oder juckt es Ihnen in den Fingern, das zu ändern? Wie hoch ist Ihre Kompromissbereitschaft im Zusammenleben, oder hat eine/r von Ihnen bereits resigniert? Als mir einmal ein Partner, mit dem ich zusammen wohnte, sagte: „Ich wohne auch hier,“ hat das in mir einen Schalter umgelegt. Erst dadurch habe ich erkannt, welche Konsequenzen mein Autonomiebedürfnis für das Zusammenleben hat.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Sollte der Streit um Einrichtungsfragen allzu heftig ausarten, bedenken Sie: Oft geht es nicht um Stil oder Geschmack, um dieses Sofa oder jenes Bild, darunter liegen kann das Bedürfnis nach Anerkennung und Respekt. „Weil das Sofa jetzt dort steht, obwohl du es nicht magst, erlebe ich, dass ich Respekt erfahre und hier gleichberechtigt wohnen kann. Letzlich kann es sogar um die Frage gehen: Liebst du mich oder liebst du mich nicht!“ ist das Fazit des Paarberaters Ferdinand Krieg.

Auch im Feng Shui gibt es übrigens wunderbare Methoden, echte Bedürfnisse zu erkennen und sie von Modetrends zu unterscheiden. Damit lassen sich Räume gestalten in den Singles, Paare, Familien und Wohngemeinschaften entspannt, friedlich und individuell zusammen leben und sich entfalten können.

Buchtipp zum Thema: Herbert Reichl, Humane Lebenswelten. Eine Psychologie des Wohnens und des Planens, 2014

 

 

 

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