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Feng Shui · Geokultur · systemische Beratung

Tag 13 – Freitag, der 13.

10 Kommentare

Wem ist heute ein bisschen flau? Mal ehrlich, Freitag, der 13. läßt keinen wirklich unberührt, oder? Eine gute Gelegenheit, den Schleier zu lüften und uns das Mysterium genauer anzuschauen.

Alles beginnt wohl damit, dass uns seit sehr langer Zeit der Rhythmus der 12 sehr vertraut ist. Seit wir mit dem  Sonnenkalender rechnen haben wir das Jahr in 12 Monate und die zugehörigen 12 Tierkreiszeichen aufgeteilt. Einen Tag teilen wir in 2 x 12 Stunden und kennen rein sprachlich das gute Dutzend.

Demgegenüber erinnert die 13  an die lunare Zeit, als noch der Mondkalender mit den 13 Mondmonaten galt. Manche sagen, dies sei eine matrifokale, mutterzentrierte Epoche gewesen, während mit dem Übergang zum Sonnenkalender die solare, patriarchale Kultur begann.

Märchen sind wahre Schätze wenn es darum geht, den tiefen seelischen Erfahrungen unserer Vorfahren nachzuspüren. Sie sind zwar immer ein bisschen verklausuliert, doch sie zu entschlüsseln ist eine wahre Freude und keinesfalls nur was für Kinder. Das Märchen Dornröschen thematisiert diesen Übergang von der 13 zur 12, vom weiblichen zum männlichen Einfluss und ist eine wahre Fundgrube. Das Drama beginnt ja, als die nicht geladene 13. Fee an die Wiege des neugeborenen Mädchens tritt und ihr den Tod wünscht, weil sie nicht zum Fest geladen ist. Im Originaltext heißt es

Er (der König) ladete nicht bloß seine Verwandten, Freunde und Bekannten ein, sondern auch die weisen Frauen, damit das Leben dem Kind hold gesonnen wäre. Es waren ihrer dreizehn. Weil er aber nur zwölf goldene Teller hatte, von welchen sie essen sollten, so mußte eine von ihnen daheim bleiben.

 Stefan Brönnle interpretiert das so: „In dieser Schlüsselszene des Märchens wird uns der Übergang der verschiedenen Gesellschafts- und Bewusstseinstrukturen sehr deutlich vor Augen geführt. Die geladenen „weisen Frauen“, die erst später zu Feen werden, sind 13. Die Zahl, die heute als „Unglückszahl“ gilt, war jedoch früher in erster Linie eines: Eine lunare (mondbezogene) Zahl: 13 Mondmonate hat das Jahr. Die „Weisen Frauen“ stammen also aus einer lunaren Kultur. Sie sollen das Kind segnen. Doch der König stammt bereits aus einer anderen Kultur: Er besitzt nur 12 goldene Teller. Die Zahl 12, ebenso wie das Gold verweisen auf die Sonne. 12 Sonnenmonate hat das Jahr, d.h. die Sonne durchwandert in einem Jahr 12 Zeichen des Zodiaks. Die 13 wird also verdrängt, die dreizehnte Frau kann nicht geladen werden. Jede Verdrängung lebt als „Schatten“ weiter in uns selbst wie auch in der Ausrichtung einer Kultur und wird nunmehr als „böse“ angesehen. Die 13. der Weisen Frauen prophezeit dem Kind seinen „Tod“, sobald es in die Pubertät kommt. Das Wissen der Frauen kann an sie nicht mehr weiter gegeben werden. Insofern „stirbt“ sie, sobald sie den Paradieszustand der Kindheit verlässt. Doch eine der anderen Frauen erbarmt sich und lässt den Tod zu einem Schlaf werden. In diesem kann das Kind – unbeeinflusst von der physischen Realität – in der Paradieswelt, in der Unio mystica verweilen. So gesehen wäre es also kein Fluch, sondern ein Rettungsversuch für die patriarchale, linear denkende, mentale Kultur.“ Quelle: Interpretation des Märchens Dornröschen auf Inana

Damit wird die weibliche 13  zum Schatten. Schatten sind meist unbequem und werden gemeinhin am liebsten verdrängt oder projiziert. Zum Beispiel auf das Unglück. Wenn also heute was „Schlimmes“ passiert kann es schon verlockend sein, dies auf die 13 zu schieben, anstatt den eigenen Anteil daran erkennen zu wollen. Doch genau genommen kommt, nachdem etwas Altes zuende gegangen ist, immer etwas Neues. So könnte die 13 auch einen Neuanfang darstellen. Abschied vom Alten, Wachstum und Weiterentwicklung in das Neue. Auch das kann beängstigen, vor allem, wer gern am „same procedure as ever“ festhalten will.

Noch kurz einen Blick auf den Tag. Nach Zuordnung der Wochentage zu den Planeten regiert am Freitag die Venus, Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit und der weiblichen Schönheit. Alles in allem klingt das nach doppelt weiblich und danach, das mit einem Schattenkomplex behaftete Weibliche endlich zu befreien.  Feste feiern wie sie fallen kann heute bedeuten: Das Leben zelebrieren, Neubeginn begrüßen, sich für die eigene Präsenz beim Welttheater zu bedanken – ganz egal ob männlich oder weiblich. Feiern wir das Andere, denn es ist ja ein Teil von uns selbst. Also los, und nun zaubern, was das Zeug hält, damit der Neubeginn gelingt. ❤ ⭐

10 Kommentare zu “Tag 13 – Freitag, der 13.

  1. Ich möchte mich ganz herzlich für die wunderbare Worte und die vielen Tipps in den täglichen Mails bedanken.
    Aus jeder Mail ziehe ich etwas positives für den Tag.
    Entrümpelt hab ich, Blumen stehen stets frisch auf dem Tisch und die Achtsamkeit, daran arbeite ich auch.
    Liebe Grüsse und einen sonnigen 13.April.
    Karin

  2. Liebe Susanne,

    mir ist dieses MONDWISSEN wohlbekannt!
    Als ich im Alter von 19 Jahren den Roman „Die Nebel von Avalon“ gelesen hatte und im Anschluß daran diverse Sachbücher zur Matriarchatsforschung (u.a. von Heide Göttner-Abendroth) verschlang, öffnete sich mir eine wesentlich ganzheitlichere Sicht auf die menschliche Entwicklungsgeschichte. Stets habe ich die Verteufelung der 13 ziemlich genauso erklärt, wie Du es hier tust.

    Es ist wichtig, den Horizont zu weiten und auf vorchristliche Religionssymbole hinzuweisen, denn die Spuren der Mondgöttin sind – wenn auch verschleiert – überall zu finden.

    Einen feinen passenden Buchtipp habe ich ebenfalls dabei:
    „Die alte Göttin und ihre Pflanzen“ von Wolf Dieter Storl
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/03/18/die-alte-gottin-und-ihre-pflanzen/

    Mondvolle Grüße von mir zu Dir 🙂

    • Ja, das Buch kenne ich, danke für die Erinnerung daran, liebe Ulrike. Herrlich wenn der Horizont sich weitet, da stimme ich dir glücklich zu!
      Kennst du auch das Buch „Bis zum 13. Mond“ vorn Arnulf Zitelmann? Das ist einer der größten Schätze in meinem Bücherschrank.
      Mondvolle Grüße und eine gesegnete Nacht! ⭐

      • „Bis zum 13. Mond“ ist eines meiner Lieblingsjugendbücher von Arnulf Zitelmann. Ich habe es erst als Erwachsene gelesen und fast geweint, weil es mir in jüngeren Jahren ein heilsameres Verhältnis zur Weiblichkeit hätte vermitteln können. Diese Buchmedizin hätte ich gerne schon früher eingenommen!
        Harmonische Grüße und eine traumhafte Nacht! 💖

  3. Wie ich sehe, habe ich die 14 kommentiert, bevor ich die 13 bemerkt hatte 😉

    Als mir gestern auffiel, wir haben einen Freitag den 13., dachte ich natürlich daran, was ihm nachgesagt wird, obwohl ich noch nie daran geglaubt habe, was ich auch von daheim so mitbekommen hatte.

    Gestern las ich aber bereits irgendwo, dass es sich ursprünglich um etwas Positives handelte. Du vertiefst diese Aussage auf eine für mich wertvolle Weise. Danke dafür, spannend und einleuchtend ⭐

    Zur Zeit lese ich öfter mal in einer Online-Zeitung, in der auch täglich abgestimmt und angesehen werden kann, wie sich die Leser an diesem Tag jeweils gerade fühlen, wie es ihnen geht. Dabei stellte ich fest, dass sich gestern überdurchschnittlich viele nicht gut fühlten und ich fragte mich, ob es etwas zu tun haben könnte mit der Interpretation vom Freitag den 13. und sowas wie einem kollektiven Bewusstsein, wo dies verankert sein dürfte, sofern nicht hinterfragt.

    Das Sahnehäubchen dieses Beitrags für mich sind aber die Ideen zu Lesestoff. Seit einiger Zeit kann ich nichts lesen und finde auch nichts, das mich wirklich anspricht und passen würde. Das hat sich hier soeben schlagartig geändert und für diese Bereicherung bin ich grad wirklich dankbar ☀

    Ich wünsche dir ein wundervolles Frühlings-Wochenende 🌷

    • Danke Marion. Also was die Literatur betrifft: beide wunderbar, inspirierend und lesenswert auf ganz eigene Weise!
      Und ja, meine Erfahrung zeigt auch, dass Gedanken die Gefühle beeinflussen und zunehmend stelle ich fest, welch enorme Wirkung das kollektive Bewußtseinsfeld auf individuelle Befindlichkeit hat. Da ist Achtsamkeit für mich der Schlüssel und nimmt in meiner Beratung einen immer größeren Raum ein.
      Danke für deine Gedanken – ps. es kann sein, dass du den 13. Mond von Arnulf Zitelmann nur noch über ZVAB bekommst.
      Dir einen schönen Samstag Abend!

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