La Imperial Feng

Feng Shui · Geokultur · LebensArt

Gestern im Zug

4 Kommentare

Gestern fuhr ich mit dem Zug zu einer Kundin nach Köln. Aufgrund einer „Notarztsituation auf den Gleisen“ zwischen Düsseldorf und Köln mußte der Zug – kurz vor dem Ziel – eine Umleitung fahren. Am Bahnsteig großes Chaos, das Abteil füllt sich. Der Zugbegleiter kommt: „Fahrscheine bitte.“ Ein junger Mann auf dem Weg zur Arbeit zückt sein Ticket mit den Worten: „Der Schaffner am Bahnsteig hat erlaubt, dass ich diesen Zug nehme,“ weil er weiß, sein Fahrschein gilt im ICE nicht. Dieser Schaffner jedoch will das nicht akzeptieren, beharrt auf Nachlösen, droht, als der Mann sich weigert, die Polizei zum Bahnsteig in Köln zu bestellen.

blauer Himmel heile Welt

An diesem Punkt des Gespräches beteilige ich mich. Da, wo ich früher keiner verbalen „Schlacht“ aus dem Weg ging weiß ich heute, wie wichtig es für jeden Menschen ist, das „Gesicht wahren“ zu können. Also wende ich mich an den Mensch Schaffner und baue mit den Zauberworten „Spielraum“ und „nach Ermessen“ die Brücke. Vorher blitzte kurz der Gedanke auf: Wieso ist er eigentlich Schaffner geworden? Da sehe ich ihn als Jungen in kurzen Hosen, Abenteuerromane lesend, auf freier Strecke in die Waggons springend und wie er dabei den Hobo-Song schmettert. Wie er sich frei und in der Welt zu Hause fühlte. Heute, in der Uniform und als Vertreter einer mächtigen Organisation, mag ein Großteil des Ursprungsgefühls von damals „auf der Strecke geblieben“ sein, doch ein Funke ist meist noch da.

Natürlich glaubt ihr mir wenn ich nun sage, dass es tatsächlich gut ausging. Der Schaffner ging irgendwann davon, ließ offen, was passieren würde und die Polizei wartete nicht am Gleis.

Später begann ich zu träumen: Wie der Schaffner mal in eine Situation kommt, oder seine Schwester, sein Bruder, seine Frau (also jemand, den er sehr gern hat) und kurz davor ist, auf „der Strecke zu bleiben“. Vielleicht steht er oder sie auf einem Geländer oder an der Bahnsteigkante und dann … kommt ein Freund, eine Freundin, die Schwester des jungen Mannes und findet genau die Worte, die dazu führen, dass das Blatt sich wendet und alles gut wird, für den oder die, der da am Abgrund steht. Wenn es also anders ausgeht als für den, der sich vorher auf die Gleise gelegt und die „Notarztsituation“ herbei geführt hatte … – Darüber könnte man glatt einen Film drehen … –

Die geknüpfte Verbindung zwischen dem Schaffner und dem Mann, die bleibt ja. Es bleibt das Gefühl, mit dem man auseinander geht, in dem man sich aneinander erinnert und das alles Nachfolgende beeinflussen wird: nämlich wie man den weiteren Menschen an diesem Tag begegnet. Der Zwischenfall in der Bahn war ja nur eine Episode in dem Film, den wir Leben nennen. Da ist immer mit Wendungen, Spannung, dem Unvorhergesehenen zu rechnen. Und immer haben alle Beteiligten an den Fäden des riesigen, unsichtbaren Spinnennetzes mitgewebt. Nichts von dem, was wir tun geht verloren im Universum. Alles wirkt. Immer.

Das wird gern als Resonanzgesetz bezeichnet. Nicht immer bekommt man direkt – und von der Person – zurück was man tat, doch indirekt immer. Meist ganz unvermutet und nur selten erinnert man sich, worauf etwas zurück zu führen sei. Gern werden Geschehnisse dann unter dem Etikett „Zufall“ abgelegt. Mittlerweile wird auch viel mit systemischer Arbeit geklärt und gelöst.

Und was hat das mit Feng Shui zu tun, frage ich mich heute morgen, als die Idee kam, darüber zu schreiben. Hm, eigentlich nichts. Vielleicht alles. Weil der Raum, in dem wir leben, die Hülle ist aus der heraus wir agieren; weil die Hülle die innere Haltung beeinflusst, mit der wir etwas tun oder lassen; weil die Welt als „Gefüge“ funktioniert und alles Wirkung auf alles nimmt. Auch ein Flohzirkus ist Abbild der „großen weiten Welt“.

Es geht mir dabei gar nicht darum, für das „sei immer gut oder nett oder vorbildlich“ zu plädieren. Langweilig! Oder aus Angst heraus zu handeln: „Gott sieht alles“. Schlimm! Oder aus Furcht vor Schuld, Strafe und Sühne. Furchtbar! Nein, manchmal ist es enorm wichtig (und menschlich !) aufzustehen, zu brüllen, mit der Faust auf den Tisch zu hauen und die Grenzen klar zu machen. Stopp hier, mein Freund! Genau HIER!

Für mich geht es darum, von wo aus ich etwas tue, aus welchem „Gefühl“ heraus mache ich was? Wer steht neben mir?  Wohlwollen, Freude, Lust, Überzeugung, Empathie? Bin ich bereit, einzutreten für das, was ich als wichtig erachte? Wie weit gehe ich dafür? Was bringe ich durch mein Verhalten in die Welt? An welchen Fäden spinne ich mit? Habe ich immer so viel, dass ich abgeben kann?

Sicher hat diese Geschichte auch etwas mit LebensArt zu tun. Bestimmt auch mit Geokultur. Passt also.

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4 Kommentare zu “Gestern im Zug

  1. Ja, passt …. 🙂

  2. Das passt doch heute wunderbar zum 80. Geburtstag des Dalai Lama und die Ansicht seiner Werte, die die aus der Balance geratene Welt noch retten können: Achtsamkeit, Mitgefühl, Geisteshaltung und das Streben nach Glück anstatt nach materiellen Werten.
    Schöne Woche.
    LG
    Sabine

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