La Imperial Feng

Feng Shui · Geokultur · LebensArt

Vom Wachsen und Gedeihen

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„Befürworter architektonischer Schönheit … rechtfertigen sich letztlich mit einem Hinweis auf dasselbe Phänomen: die Unfähigkeit des Menschen, ganz unabhängig von dem Ort zu gedeihen, an dem er sich aufhält.“ *

Dicke Bohne

Viel Sonne, viel Wind – der Pflanze bekommt’s nicht.

Ob Gedeihen nur an architektonischer Schönheit liegt oder ob noch andere Bedingungen erfüllt sein müssen (wovon ich berufs-wegen natürlich überzeugt bin) – jedenfalls mache ich dazu gerade ein Standortexperiment mit meinen Pflanzenlieblingen, den Ackerbohnen, auch Dicke Bohnen genannt. Diese Pflanze liebe ich schon seit meiner Kindheit. Mit ihren viereckigen (!) Stengeln, ihrer üppigen Wuchsfreude, ihren malerisch-schwarz-weißen Blüten und den sich gen Himmel reckenden Hülsen, die erstmal keck der Schwerkraft trotzen, ist sie für mich schon immer Sinnbild gewesen für wilde Eigenart, ungebändigte Kraft und liebevolle Fürsorge. Denn die außen etwas hartschalige Hülse ist innendrin ganz samtig und weich, so dass die in ihr liegenden Bohnen wie von Watte umhüllt sind.

Im Moment beobachte ich ihr Gedeihen an drei unterschiedlichen Standorten: auf einer Draußen-Fensterbank mit Südsonne, wo in der letzten Zeit ein starker Wind wehte, auf einem windgeschützten Balkon im Nordosten, und auf kräftigem Erdboden im Freien, worauf den ganzen Tag die Sonne scheint. Und wen wundert’s, alle wachsen unterschiedlich – die auf der windigen Fensterbank haben schon die größten Früchte, obwohl die Pflanzen nur so an die 30 Zentimenter hoch gewachsen sind und ihre Blätter schon arg mitgenommen aussehen.

Die Balkonpflanzen haben zwar die wenigste Sonne, doch mit ihren mittlerweile fast 100 Zentimeter sehen sie aus wie edle Grazien. Sie haben viele Blüten und sind von morgens bis abends von brummenden Hummeln umschwärmt. Doch bislang haben sie noch kaum Früchte angesetzt. Sie können das, was in ihnen steckt einfach nicht entfalten.

Und die Pflanzen, die „artgerecht“ im Freien wachsen? Sie sind kräftig, üppig und gesund.

Ackerbohne

Guter Standort – gesunde Pflanze.

Wenn ich das auf Menschen und ihren Standort übertrage, was kann das bedeuten ? Nach Hause kommen und sich wohl fühlen, ins Bett gehen, gut schlafen und ausgeruht aufwachen, erfrischt von einem Nickerchen wieder an die Arbeit gehen, die eigene Arbeit lieben, egal, ob es Montag oder Freitag ist, gern Gäste haben, sich auch mit Fremden angeregt unterhalten, aus dem Gleichgewicht geraten und dann die Balance wieder finden, nach einer Krankheit zeitig gesunden, sich selbst und anderen eine angenehme, anregende Gesellschaft sein, die Nerven behalten auch wenn’s mal stressig ist, den Kindern gern etwas vorlesen und auch endlose Warum?-Fragen erfinderisch und phantasievoll beantworten, sich für die Mitgeschöpfe aus dem Mensch-, Tier- und Pflanzenreich einsetzen, jeden Tag einmal seine Komfortzone verlassen, von Freundinnen überraschend zu Erdbeertorte mit Sahne eingeladen werden, sich ganz und gar lebendig fühlen und dieses Leben gern leben … wirklich? Ja, wirklich!

Und wie geht es Ihnen an Ihrem Wohnort? Welche Wachstumskräfte werden in Ihnen angeregt und inspiriert?

* aus: Glück und Architektur von Alain de Botton

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