La Imperial Feng

Feng Shui · Geokultur · LebensArt

Zufälle und andere alltägliche Entscheidungen

Hinterlasse einen Kommentar

StraßenAuf der Autobahn komme ich immer ins philosophieren.

Ich frage mich dann zum Beispiel, ob ich wirklich fahre während ich fahre, oder ob ich nur fahre, um irgendwo anzukommen. Manchmal bin ich nämlich am Ziel und weiß gar nicht, wie ich dorthin kam. Geht es beim fahren also um das Mittel oder um den Zweck?
Nirgendwo kann ich das besser beobachten, als auf den langen geraden Strecken unserer Schnellstraßen. Fast gerate ich ein wenig in Trance dabei. Dann erlebe ich, was Meditationslehrer so raten: Tun und sich beobachten dabei. Für mich ist die Autobahn der ideale Schauplatz dafür.

Letztens sah ich einen Film über einen Mann, der durch eine zufällige Begebenheit sein ganzes Leben ändert. Seitdem denke ich oft darüber nach. Die Begegnung mit einer fremden Frau und ein paar Sätze vom „Goldschmied der Worte“ genügen, in diesem Mann ein Feuer zu entfachen und von jetzt auf gleich besteigt er den „Nachtzug nach Lissabon„. Fasziniert begibt er sich auf die Spuren des gelebten Lebens Anderer und beginnt, die fehlende Lebendigkeit seines eigenen Lebens zu bedauern. „Wenn wir nur einen kleinen Teil leben von dem, was in uns ist, was geschieht dann mit dem Rest?“, fragt der Autor des Buches, Amadeu de Almeida. Ich frage mich was es braucht, so zu handeln wie der Mann in dem Film. Öffnet sich in solchen Momenten eine „himmlische Tür“ und die Entscheidung, hindurch zu gehen fällt ganz leicht? Sind es kosmische Bedingungen? Ist es eine innere Bereitschaft, der eigenen Überzeugung zu folgen – ohne Rücksicht auf verstandesmäßige Angst vor möglichen Konsequenzen? Was braucht es, um ein gelebtes Leben zu verlassen und es anders(wo) fortzusetzen?

An einer Stelle heißt es: „Die Angst vor dem Tod ist die Angst vor der Unerfülltheit des Lebens.“ Ist das der Grund für die endlose Beschleunigung unserer Tage? Fürchten wir uns wirklich davor, etwas zu verpassen? Oder fürchten wir den Moment, in dem der Schleier fällt und wir klar erkennen? Marc Aurel schreibt: „Ein Leben, nur ein einziges, hat jeder. Es ist aber für dich fast abgelaufen, und du hast in ihm keine Rücksicht auf dich selbst genommen, sondern hast getan, als ginge es bei deinem Glück um die anderen Seelen … Diejenigen aber, die die Regungen der eigenen Seele nicht aufmerksam verfolgen, sind zwangsläufig unglücklich.“ Die Liebe zu anderen kann nur erleben, wer sich selbst liebt. Wer sich selbst liebt bleibt seinen Überzeugungen treu, selbst wenn er sie ändert. Auf Leben und Tod. Auch das wird im Film thematisiert. Freundschaft, Liebe, Gerechtigkeit – Werte die überdauern. Im Film ändert der Mann sich, vielleicht wird er durch die Erlebnisse auch erst er selbst, indem er mehr Teile von dem lebt, die in ihm stecken? Am Ende jedenfalls scheint es, er bleibt in Lissabon und kehrt der empfundenen Bedeutungslosigkeit seines bisherigen Lebens den Rücken. Eine (fast) alltägliche Entscheidung.

Nachher fahre ich wieder auf der Autobahn. Ich werde viele hundert Kilometer haben, mich beim Fahren zu beobachten und darauf zu achten, welche Türen sich öffnen.

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s